Geschichte und Archiv

Geschichte des Hinkenden Bot

Einer der ältesten Kalender der Schweiz – bis heute aktuell

Kalender unter dem Titel «Hinkende Bot» gab es früher etliche, und auch heute finden wir die Bezeichnung noch in Deutschland und im Welschland (Messager boiteux). Man nimmt an, dass der Name auf die Verträger der Kalender in ihrer Anfangszeit vor drei-, vierhundert Jahren zurückgeht, als Kriegsversehrte – etwa aus dem Dreissigjährigen Krieg – von Hof zu Hof hinkten und die Drucksache an den Mann und an die Frau brachte. Im Deutschschweizer Sprachraum hat sich der Name lediglich in unserem Berner Historischen Kalender erhalten.

Der «Hinkende Bot» ist die älteste Drucksache des Hauses Stämpfli. 1815 erhielt die damalige Inhaberin der Druckerei, Witwe Marie Albertine Stämpfli, von «Schultheiss und Rath des Kantons Bern» das sogenannte Kalenderprivileg, das heisst, sie durfte ausser dem Flaggschiff «Hinkende Bot» noch weitere Kalender drucken und verkaufen.

In unserer schnelllebigen Zeit geraten wichtige Ereignisse rasch in Vergessenheit. Die sorgfältig zusammengestellte und mit Bildern illustrierte Jahreschronik über das Geschehen auf der Welt, in unserem Lande, im Kanton und in der Stadt Bern hilft den Leserinnen und Lesern, die Übersicht über die Ereignisse zu erlangen, zu behalten und sich das Wichtigste in Erinnerung zu rufen.


Fortschritt mit Bedächtigkeit

Wie der Hinkende Bote sein Publikum auf eine beschleunigte Welt einstimmte

Marianne Fischer stellt in ihrer Bachelorarbeit den «Hinkende Bot» ins Rampenlicht und untersucht darin dessen Wirkung und Bedeutung für die Gesellschaft zwischen 1870 und 1920. Volkskalender waren zu dieser Zeit weit verbreitet. Sie dienten den Menschen als Orientierung, Ratgeber, Informationsquelle und Unterhaltung. Gleichzeitig sind die Kalender ein Abbild dessen, was die damalige Gesellschaft umtrieb und welche Themen sie beschäftigten. Im Sinne einer Momentaufnahme geben die Kalender mit ihrer Unmittelbarkeit Einsicht in die dynamische, komplexe Realität und offene Zukunft einer Gesellschaft in fundamentalem Wandel. So auch der «Hinkende Bot».

Die Bachelorarbeit veranschaulicht anhand vieler Beispiele, wie sich der «Hinkende Bot» schon immer im Spannungsfeld zwischen Traditions- und Fortschrittsdiskursen bewegt hat. Das Fazit verdeutlicht, dass es «in diesem das Bestehende hütende Medium immer schon Platz für Neues» gab.

Nachfolgend können Sie die gesamte Arbeit als PDF herunterladen.


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300 Jahre

«Der Hinkende Bot»